Wenn das Kind im Alter von 2 Jahren erst wenige Worte beherrscht, sind viele Eltern besorgt. „Das ist normal, das wird schon“, bekommen sie von Bekannten und Freunden zu hören. In den meisten Fällen stimmt das, dennoch bleibt die Unruhe. Wann gibt die Sprachentwicklung denn nun Grund zur Sorge?

Mit etwa zwei Jahren sollte ein Kind mindestens 50 Wörter sprechen und Zweiwortkombinationen bilden können, wie etwa „Auto da“.  Erst mit dem Erreichen der 50-Wörter Grenze kommt es zum Wortschatzspurt. Unter dem Wortschatzspurt versteht man, dass das Kind pro Tag 10 neue Wörter lernt.

Sind sie unsicher, sollte der erste Ansprechpartner der Kinderarzt sein. Ursachen für dieses späte Sprechen können z.B. Hörprobleme, Autismus oder andere Störungen sein. Erst wenn keine anderen Störungen vorliegen, stellen Experten die Diagnose „Late-Talker“. Im Alter von 4-5 Jahren zeigen immerhin noch ca. 50% dieser Kinder Sprachauffälligkeiten, 16% sogar Sprachentwicklungsstörungen. Viele dieser Kinder haben ein erhöhtes Risiko eine Lese-Rechtschreibstörung oder Legasthenie zu entwickeln. Eine rechtzeitige, gezielte Förderung kann diese Defizit-Karriere in einigen Fällen verhindern.

Kinder mit einem erhöhten Risiko für eine Sprachentwicklungsstörung, sprechen nicht oder nur wenig und haben ein schlechtes Sprachverständnis. Außerdem ist häufig eine „familiäre Disposition“ zu beobachten (z.B. wenn auch bei den Eltern oder nahen Verwandten bereits eine Sprachentwicklungsstörung vorlag).

Beobachten sie ihr Kind!

Spricht das Kind mit Ihnen und nimmt es zu Ihnen Kontakt auf?

Spielt es auch mit anderen Kindern?

Macht das Kind beim Spielen Geräusche. z.B. ahmt ein Auto nach?

Gut! Eine Therapie brauchen vor allem Kinder mit Wortverständnisproblemen. Auch die Elternarbeit und -beratung ist in der Therapie ein wichtiger Punkt.          Dass eine frühe Behandlung sinnvoll ist, konnte die Wissenschaftlerin Claudia Schlesiger, Sprachheilpädagogin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bamberg in einer Studie nachweisen: Dabei teilte sie 34 Late Talker in zwei Gruppen ein. Die Teilnehmer der ersten Gruppe erhielten eine Sprachtherapie, die anderen nicht. Bei mehreren Tests schnitt die Therapiegruppe deutlich besser ab: Die Kinder hatten einen größeren Wortschatz und bessere grammatikalische Fähigkeiten. Im Alter von etwa dreieinhalb Jahren zeigten in dieser Gruppe nur 13 Prozent eine schwere Sprachentwicklungsstörung. In der Gruppe, die nicht behandelt worden war, waren es 54 Prozent. Das zeige, dass eine frühe Therapie für Late Talker effektiv ist.