Magdeburg:
Knapp ein dreiviertel Jahr nach den ersten Pflicht-Sprachtests für drei- bis vierjährige Kinder in Sachsen-Anhalt liegen jetzt die Ergebnisse vor. Danach benötigen von den 15416 getesteten Kindern etwa 9% der Mädchen (696 Kinder) und 12% der Jungen (956 Kinder) eine Sprachförderung, wie das Sozialministerium gestern in Magdeburg mitteilte. Durch das frühzeitige Erkennen von Defiziten im Sprechen besteht jetzt die Möglichkeit, die Kinder durch gezielte Förderung auf ihren Schuleintritt vorzubereiten. Seit Anfang 2010 besteht in Sachsen-Anhalt die Pflicht für jedes Kind in Sachsen-Anhalt im vorletzten Jahr vor der Einschulung einen Sprachtest zu absolvieren. Mit dem Test soll geprüft werden, ob die Sprachentwicklung des Kindes altersgemäß ist und es die deutsche Sprache hinreichend beherrscht. Auf einer Fachkonferenz erklärte Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) gestern: “ Durch die Förderung wird verhindert, dass eine zu geringe Sprachkompetenz den Start in die Grundschule behindert und damit womöglich auch Weichen für die gesamte Bildungsbiografie und soziale Integration falsch gestellt werden.

Jedes Kind soll mit Eintritt in die Schule dem Unterricht problemlos folgen können.“ Von den rund 15000 getesteten Kindern hatten 877 einen Migrationshintergrund. Von diesen benötigt knapp jedes dritte Kind (29,9 Prozent) eine Sprachförderung. Den größten Sprachförderbedarf weist mit 14% der Saalekreis auf, den geringsten Bedarf mit rund 7% der Burgenlandkreis. Das Sozialministerium weist darauf hin, dass diese Ergebnisse als Trend gelten. Eine detaillierte Evaluierung sei erst in zwei Jahren möglich. Die Sprachtests fanden im Februar und März dieses Jahres in den 1400 Kindertagesstätten statt. Die Tests sind ein ausgelagerter Teil der Schuleingangsuntersuchungen und daher für alle Kinder verpflichtend. Das Land investiert in die Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung jählich etwa 2,4 Millionen Euro. Bei der Sprachstandsfeststellung der Vorschulkinder handelt es sich im eigentlichen Sinne nicht um einen Test, sondern um ein 25-minütiges Brettspiel „Besuch im Zoo“ – ähnlich dem Spiel „Mensch-ärgere-dich-nicht“. Dabei spielen jeweils drei Kinder, ganz nebenbei sollen sie Wörter und Sätze nachsprechen, bestimmte Dinge beschreiben, einfache Anweisungen ausführen. Die auch „Delfin4“ genannte Methodik wurde von der Universität Dortmund entwickelt und wird bereits seit 2007 in Nordrhein-Westfalen angewandt. Den Test müssen auch Kinder, die keinen Kindergarten besuchen, absolvieren.Damit auch diese Kinder den Test ohne Aufregung durchlaufen können, haben die Kitas diesen Kindern einen Spielnachmittag ermöglicht, wo sie Umgebung, Erzieherinnen und Kinder vorab kennenlernen konnten.

Quelle: Volksstimme 3.12.2010, Silke Janko

Mein persönliches Statement zu diesem Artikel:
Das Testprogramm „Delfin4“ ist in meinen Augen ein sinnvolles Instrument, um frühzeitig Verzögerungen in der Sprachstandentwicklung zu erkennen. Die Sprachförderung im Kindergarten ist jedoch nur für Kinder mit leichten Defiziten, wie der Sprachkompetenz bezüglich Satzbau und  Grammatik oder zum Wortschatzaufbau gedacht. Durch zusätzliche Förderungen in Kleingruppen sollen diese Defizite aufgeholt werden.
Vorsicht ist jedoch bei phonetisch-phonologischen Aspekten geboten, z.B. spricht das Kind bestimmte Laute fehlerhaft aus (das Kind ersetzt das /k/ durch ein /t/: Bsp. Kinder – Tinder).
Lautfehlbildungen gehören immer in die Hand von erfahrenen Logopäden!!!
Sind Sie sich unsicher, sprechen Sie mit Ihrem Kinder- oder HNO-Arzt. Er wird Ihnen ein Rezept für eine ausführliche Diagnostik bei einem Logopäden ausstellen.